Garnelen richtig füttern: Wie viel, wie oft und womit?
- 25. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli
Du stehst mit der Futterdose vor dem Aquarium und fragst dich: Wie viel soll da jetzt eigentlich rein? Ein ganzer Stick wirkt schon zu viel, ein kleines Krümelchen fast zu wenig – und sobald das Futter im Becken liegt, stürzen sich alle darauf. Das macht die Entscheidung nicht gerade leichter.
Die gute Nachricht: Du brauchst keine komplizierte Formel. Wenn du klein anfängst und ein paar Dinge beobachtest, zeigt dir dein Aquarium ziemlich schnell, welche Futtermenge wirklich passt.

Bei zehn Garnelen landet bei mir nicht einfach ein ganzer Futterstick im Aquarium. Ich breche ein kleines Stück ab, lege es gut sichtbar ins Becken und schaue, was passiert. Ist es nach zwei bis vier Stunden gefressen, passt die Richtung. Bleibt deutlich etwas liegen, war die Portion zu groß.
Die richtige Futtermenge steht deshalb auf keiner Packung. Sie hängt davon ab, wie viele Garnelen tatsächlich im Becken leben, wie lange es schon läuft, ob Jungtiere da sind und wie viel natürliche Nahrung auf den Oberflächen wächst. Fang klein an, beobachte dein Aquarium und steigere die Menge erst, wenn der Bestand sie wirklich braucht.
Das klingt zunächst weniger bequem als eine feste Grammangabe. In der Praxis ist es aber viel einfacher: Dein Becken zeigt dir ziemlich deutlich, ob die Fütterung passt. Du musst nur wissen, worauf du schauen solltest.
Wie viel ist genug?
Stell dir zwei Aquarien vor. Im ersten sitzen zehn Neocaridina in einem frisch eingefahrenen 54-Liter-Becken. Im zweiten Aquarium lebt seit Jahren ein großer Bloody-Mary-Stamm mit erwachsenen Tieren, tragenden Weibchen und unzähligen Junggarnelen.
Im ersten Becken kann ein kleines Stück vom Stick völlig ausreichen. In einem meiner alten 126L Zuchtbecken kann ich dagegen eine halbe Hand voll Sticks füttern – und nach unter zwei Stunden sind sie komplett verspeist. Würdest du dieselbe Menge zu zehn Garnelen in ein junges Aquarium geben, bliebe ein großer Teil davon liegen.
Die passende Menge solltest du deshalb immer für dein eigenes Becken abstimmen. Bei 20 Garnelen brauchst du natürlich deutlich weniger Futter als bei 150. Fang mit einer kleinen Portion an, beobachte, wie schnell sie gefressen wird, und passe die Menge mit der Zeit an. Dabei solltest du auch berücksichtigen, wie viel natürliche Nahrung die Garnelen bereits im Aquarium finden.
Biofilm gehört zum Futter
Garnelen warten nicht hungrig auf die nächste Fütterung. Sie laufen fast ununterbrochen über Moose, Pflanzen, Bodengrund, Laub und Filterschwämme. Dabei zupfen sie an einem dünnen Belag aus Mikroorganismen und organischem Material: dem Biofilm.
Für erwachsene Garnelen ist das eine dauerhafte Ergänzung. Für frisch geschlüpfte Jungtiere ist es noch wichtiger. Die Kleinen marschieren nicht zuverlässig quer durchs Aquarium, nur weil am anderen Ende ein Futterstick liegt. Sie brauchen etwas Fressbares dort, wo sie gerade sitzen – im Moos, am Schwammfilter oder zwischen feinen Pflanzen.

Je länger ein Aquarium läuft, desto mehr Biofilm bildet sich auf den Einrichtungsgegenständen und Oberflächen. In einem gut eingefahrenen Becken mit wenigen Garnelen finden die Tiere deshalb oft den ganzen Tag etwas zu fressen. Wenn der Bestand wächst und viele Jungtiere dazukommen, wird dieses natürliche Futter schneller abgeweidet. Dann kann und sollte dementsprechend mehr zugefüttert werden.
Stick oder Staubfutter?
Sticks und Staubfutter konkurrieren nicht miteinander. Sie haben nur unterschiedliche Aufgaben im Aquarium.
Sticks: einfach zu kontrollieren
Ein Stick lässt sich teilen, gezielt ablegen und notfalls wieder herausnehmen. Du siehst, wie viele Garnelen kommen, wie lange sie fressen und ob etwas übrig bleibt. Gerade am Anfang ist das Gold wert, weil du nicht raten musst.
Bei einer kleinen Gruppe bleibt der Stick deshalb klein. Erst wenn der Bestand sichtbar wächst und die bisherige Portion zuverlässig verschwindet, gibst du schrittweise mehr. Ein ausgewogenes Hauptfutter mit nachvollziehbarer Zusammensetzung ist dabei wichtiger als ein spektakulärer Produktname.
Doch ein gut sichtbarer Stick hat auch einen Nachteil: Er liegt nur an einer Stelle. Genau hier ergänzt Staubfutter die Fütterung.
Staubfutter für den Nachwuchs
Staubfutter ist für mich besonders wichtig, wenn Junggarnelen im Aquarium sind. Ich füttere es deshalb öfter in der Woche. Die feinen Partikel verteilen sich über viele Oberflächen und erreichen dadurch auch Tiere, die noch nicht an ein größeres Futterstück kommen. Gleichzeitig kann es die biologische Aktivität und die Bildung von Futterbelägen unterstützen.
Sein Vorteil ist zugleich sein Risiko. Einen Stick kannst du mit einer Pinzette wieder herausnehmen. Staubfutter, das sich im ganzen Aquarium verteilt hat, bekommst du nicht zurück.
Deshalb beginne ich mit sehr kleinen Mengen und taste dich heran.
Von Woche zu Woche kann dann auch immer etwas mehr Staubfutter gefüttert werden da die Biologie im Becken mitwächst und dementsprechend größere Mengen besser verarbeiten kann
Laub: langzeit Futter, gute Weidefläche
Staubfutter verteilt Nahrung über viele Flächen. Geeignetes braunes Laub schafft solche Flächen gleich selbst. Auf dem Blatt siedeln sich Mikroorganismen an, später wird auch das weicher werdende Pflanzenmaterial genutzt. So entsteht eine Weidefläche, die nicht nach zwei Stunden verschwunden sein muss.
Trotzdem bleibt Laub organisches Material und kann unter Umständen auch das Wasser belasten!
In einem 54-Liter-Becken reichen in der Regel zwei bis drei Blätter in verschiedenen Zersetzungsstadien. Sehr große Seemandelbaumblätter kannst du teilen oder entsprechend sparsamer einsetzen. Wenn vom älteren Blatt fast nur noch das Gerippe übrig ist, kommt ein neues dazu.
Wie schnell ein Blatt zerfällt, hängt unter anderem von Blattart, Größe, Temperatur, Mikroorganismen und Besatz ab. Schau deshalb auf den Zustand des Laubs und nicht nur auf den Kalender.
Damit stehen die drei wichtigsten Bausteine: kontrollierbare Sticks, fein verteiltes Staubfutter und langfristige Weideflächen. Alles Weitere ist Ergänzung – und sollte auch so behandelt werden.

Ergänzungsfutter für Garnelen: Protein, Mineralien und pflanzliche Kost
Pflanzliches Futter, Proteinfutter, Mineralfutter und Farbfutter können die Speisekarte sinnvoll ergänzen.
Proteinfutter: sinnvoll für Wachstum und Vermehrung
Proteine werden unter anderem für Wachstum, Häutung und die Bildung von Eiern benötigt. Ein ausgewogenes Hauptfutter enthält bereits Eiweiß. Zusätzliches Proteinfutter kann trotzdem sinnvoll sein, besonders bei Jungtieren, wachsenden Garnelen oder einem gut laufenden Zuchtstamm.
Mineralfutter: beugt Fehlhäutungen entgegen
Mineralfutter reglmäßig eingesetzt kann die Tiere z.B. bei der Häutung unterstützen, indem es zusätzliche Mineralien liefert. Auch für Schnecken kann es eine sinvolle Ergänzung sein um Gehäuseschäden vorzubeuegen.
Nichtsdestotrotz ersetzt die regelmäßige Gabe natürlich keine guten Wasserwerte, diese sollten an die jeweiligen Garnelen angepasst werden und bilden die Grundversorgung der essentiellen Mineralien.
Farbfutter: Unterstützung für vorhandene Pigmente
Futterbestandteile wie Carotinoide können die Ausbildung vorhandener Pigmente fördern und so die Farbe einer Garnele unterstützen. Farbfutter ist daher eine Unterstützung und kein Mittel, mit dem sich jede Garnele beliebig umfärben lässt – es kann vorhandene Farben verstärken, stellt man die Reglmäßige Fütterung ein, lassen auch die farbverstärkenden Effekte mit der Zeit wieder nach!
Die wichtigste Grundlage für eine kräftige und gleichmäßige Färbung ist die Genetik - also die Qualität des Zuchttiere. Achte deshalb bereits beim Kauf auf gesunde, gut gefärbte Tiere aus einer vertrauenswürdigen Quelle.
Für die weitere Zucht ist anschließend eine konsequente Selektion notwendig. Tiere, die Farbe und gewünschte Merkmale besonders gut zeigen, werden gezielt zur Weiterzucht eingesetzt. Schwächer gefärbte oder nicht zum Zuchtziel passende Garnelen werden getrennt. Dadurch lässt sich die Qualität eines Stamms langfristig erhalten und verbessern.
Frisches Gemüse nur vorsichtig anbieten
Frisches Gemüse wie Gurke wird in der Community gerne gefüttert und auch von Aquarienschnecken oft gut angenommen. Ich persönlich bin davon aber kein großer Fan – für mich überwiegt hier das Risiko den Nutzen.
Das Problem: Bei unklarer Herkunft weiß man nie sicher, ob Pestizidrückstände an der Schale hängen, die ins Wasser gelangen. Weiche Stücke zerfallen zudem schnell, und zucker- oder stärkereiche Sorten fördern Bakterienwachstum – beides kann das Wasser spürbar belasten. Einen echten Vorteil gegenüber einem guten Stick sehe ich dabei nicht: Die Nährstoffversorgung lässt sich damit genauso gut oder besser abdecken, ohne das zusätzliche Risiko.
Wer es trotzdem ausprobieren möchte, sollte vorsichtig vorgehen:
Nur ein kleines, ungewürztes Stück verwenden.
Gemüse gründlich waschen und bei unklarer Herkunft die Schale entfernen.
Das Stück entfernen, bevor es zerfällt, schleimig wird oder riecht.
Nicht mehrere neue Futtersorten gleichzeitig ins Becken geben.
Ein Wochenplan zum Start
Dieser Plan ist ein einfacher Ausgangspunkt und gilt als grobe Orientierung für ein eingefahrenes Garnelenbecken mit kleinem bis normalem Besatz. Er ist bewusst nicht für ein stark besetztes Zuchtbecken gedacht, in dem deutlich häufiger gefüttert werden kann.
Tag | Futter | Darauf solltest du achten |
Montag | Hauptfutter | Bei einer kleinen Gruppe nur ein Stück abbrechen und nach zwei bis vier Stunden kontrollieren |
Dienstag | Staubfutter | Sehr sparsam über das Aquarium verteilen. Das ist besonders bei Junggarnelen sinnvoll |
Mittwoch | Ergänzungsfutter | Protein-, Mineral- und Farbfutter |
Donnerstag | Futterpause | Die Garnelen weiden weiter Biofilm, Laub und andere Oberflächen ab |
Freitag | Hauptfutter | Die Portion an die Tierzahl anpassen und auf liegen gebliebene Reste achten |
Samstag | Staubfutter | Menge kann leicht gesteigert werden |
Sonntag | Futterpause | Ruhetag |




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